Private Equity in der Schweiz – Replik zum Swiss Venture Capital Report 2020

Wie immer erscheint zu Beginn des Jahres der Swiss Venture Capital Report, welcher die Finanzierungen im Startup Bereich des vergangenen Jahres vertieft behandelt. Dabei werden Kapitalrunden und Exits kommentiert und zusammengefasst. Dies ergibt ein gutes Bild des Schweizer Venture Capital Marktes.

Zahlen und Fakten

Im Jahr 2019 wurden fast CHF 2.3 Milliarden in Schweizer Startups investiert, ein Zuwachs von rund 86% im Vergleich zum Vorjahr. Davon profitierten 266 Startups. Während sich das Volumen beinahe verdoppelt hat, stieg die Anzahl der Kapitalrunden nur um 16%. Dies ist auf die wenigen, dafür grösseren Finanzierungen zurückzuführen, stehen doch die 20 grössten Deals für rund 71% des totalen Investitionsvolumens. Im Fokus bleibt die ICT und FinTech Branche mit ihrem geographischen Zentrum Zürich. Das Volumen von ICT und FinTech übertrifft das Volumen des zweiwichtigsten Bereiches, Biotech, beinahe um das Doppelte.

Erfreulicherweise rücken Investitionen in Private Equity in Zeiten negativer Zinsen vermehrt in den Anlegerfokus. Hier werden historische Renditen von 8-15% ausgewiesen, wobei es natürlich stark auf die jeweilige Anlagestrategie ankommt. Bereits ein erfolgreicher Exit, also ein Verkauf/IPO des Unternehmens, kann dabei ein ganzes Portfolio sehr positiv beeinflussen. Trotz des erfreulich starken Wachstums ist es schade, dass sich die Investitionen vermehrt auf ein paar wenige, grosse Unternehmen konzentrieren. Wir sind der Meinung, dass dies nicht zwingend die Investitionen sind, die auch am meisten Erfolg versprechen, wie die Beispiele Uber oder WeWork eindrücklich zeigen oder gezeigt haben.

Persönliche Meinung und Einschätzung des Autors

Der Aufbau eines FinTech Unternehmens ist sehr kapitalintensiv. Wir haben Crowd4Cash mit vergleichsweise kleinen Finanzierungsrunden zu einer der grösseren Crowdlending Plattformen der Schweiz aufgebaut. Trotz mehrerer Alleinstellungsmerkmale sind wir aber auch weiter auf Investoren angewiesen. Dank unseres rigorosen Kostenmanagement sind wir jedoch in der komfortablen Situation weniger Geld zu verbrennen als viele andere FinTechs auf dem Markt. Damit bewahren wir uns auch ein gutes Stück Unabhängigkeit. Obwohl der geneigte Leser mit diesen Voraussetzungen eigentlich kein Hindernis sehen würde, bleibt die Kapitalbeschaffung für das weitere Wachstum auch für uns schwierig. Wir sind gut finanziert, sehen aber noch sehr viel Potential (Internationalisierung) brach liegen, welches wir momentan nicht heben können, da die finanziellen Mittel dafür fehlen.

Dabei sehen wir gewisse Ineffizienzen im Markt, da verhältnismässig viel Kapital im extrem frühen Stadium, oder wie im Swiss Venture Capital Report aufgezeigt, im späteren Stadium für grössere Runden investiert wird. Dazwischen liegt jedoch viel ungenutztes Potential.Im Rahmen des selbstgesteckten Ziels zur Förderung der KMU und jungen Unternehmen, sehen wir auch unter anderem die Wirtschaftspolitik der Schweiz in der Pflicht. Trotz grundsätzlich lobenswerten Anstrengungen, wie dem Swiss Enterpreneur Fund, wird diese Lücke nicht geschlossen. Statt in der frühen Wachstumsphase in kostenbewusste Unternehmen, welche vorsichtig und nachhaltig agieren, zu investieren, wird auch hier in reifere und grössere Unternehmen investiert (Fokus der Investitionen ist 5-20Mio CHF). Dabei weisen doch gerade die jungen Unternehmen, die von Anfang an vernünftig mit ihren finanziellen Mitteln umgehen, ein grosses wirtschaftliches, zukunftsgerichtetes Potential auf. Nur schade, dass sich diese Unternehmen den Erfolg und ihre nachhaltige Profitabilität länger als nötig erdauern müssen.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um eine persönliche Einschätzung des Autors und widerspiegelt nicht zwingend die Sicht des Unternehmens.

Quelle: Swiss Venture Capital Report 2020

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